Interview zur Einführung des Hebammenstudiengangs

UKE

Seit dem Wintersemester 2020/2021 gibt es am UKE den neuen Studiengang Hebammenwissenschaft (iMID). Nach dem Ende des ersten Semesters konnten wir ein Interview mit den beiden fachlichen Leiterinnen, Prof. Anke Diemert und Prof. Birgit-Christiane Zyriax führen:

Was war der Impuls zur Entwicklung des Studiengangs Hebammenwissenschaft am UKE?

Es war zunächst eine Kombination: Es gab schon länger den Wunsch des UKE und der medizinischen Fakultät Studiengänge für Gesundheitsberufe anzubieten, parallel dazu eine europäische Gesetzesvorgabe, die ein Bachelorstudium zur zwingenden Voraussetzung für den Hebammenberuf macht. Schließlich erhielten wir den Auftrag der Behörde für Wissenschaft, Forschung, Gleichstellung und Bezirke (BWFGB) gemeinsam mit der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) den Studiengang zu konzipieren

Wie sah der Entwicklungsprozess im Detail aus?

Es handelte sich um einen sehr umfassenden Prozess, bei dem zunächst Best Practice-Beispiele im europäischen In- und Ausland begutachtet wurden, u. a. in Bochum, der Schweiz und in England.

Bei drei mehrtätigen Retreats der Arbeitsgruppe unter gemeinsamer Leitung des Prodekanats für Lehre (Prof. Andreas Guse, Prodekan für Lehre) und des Pflegedienstdirektoriums (Birgit Alpers, stellv. Direktorien für Patienten- und Pflegemanagement) und Einbindung weiterer lehrender Disziplinen (Geburtshilfe, Neonatologie, Gynäkologie, Anästhesie, Anatomie, Präventionsmedizin, Physiologie, Biochemie, Mikrobiologie, Sexualmedizin und Rechtsmedizin) wurde dann die grundlegende Struktur und das Studiengangskonzept ausgearbeitet.

Parallel wurde der gesamte Studiengang mit der HAW in vielen bilateralen Treffen abgestimmt.

Wie sieht die Struktur des Studiengangs aus?

Die neuen Studierenden beginnen immer zum Wintersemester und können sich auf 60 Studienplätze bewerben. Das Studium ist hochschulübergreifend mit der HAW aufgebaut und dual. Das bedeutet das die theoretische und praktische Lehre an den Hochschulen mit der praktischen Ausbildung in verantwortlichen Praxiseinrichtungen eng verzahnt ist. Diese praktische Ausbildung findet z. B. im UKE sowie im Marien-, Albertinen- und Amalie-Sieveking-Krankenhaus statt. Analog zu den positiven Erfahrungen aus den Modellstudiengängen Medizin (iMED) und Zahnmedizin (iMED DENT) ist auch die Hebammenwissenschaft (iMID) als integrierter Modellstudiengang konzipiert und modular aufgebaut. Am Ende des Studiums erhalten die Studierenden sowohl die Berufszulassung als Hebamme als auch einen Bachelor of Science (B.Sc.).

Welchen Mehrwert bietet der Studiengang gegenüber der bisherigen Ausbildung?

Für die Studierenden bietet die Akademisierung diverse Vorteile: Sie erhalten evidenzbasierten theoretischen Unterricht und eine ebenfalls evidenzbasierte, qualitätsgesicherte, und strukturierte praktische Lehre – immer unterstützt durch Simulation und Skillslabtraining. Darüber hinaus bietet die Akademisierung die Chance, die Hebammenwissenschaft am Standort Hamburg aufzubauen und neue Impulse einzubringen.

Wie sieht Ihre persönliche Aufgabe/Arbeit im Rahmen des Studiengangs konkret aus?

Gemeinsam mit dem Prodekanat für Lehre (Dr. Rheingans und Kollegen) sorgen wir für die inhaltliche und strukturelle Ausgestaltung des Studienganges. Hierbei werden wir seit kurzem durch die Hebamme Janne Schmittinger als Studiengangsleitung und Frau Charlotte Cagnie als Studiengangskoordinatorin unterstützt. Außerdem übernehmen wir natürlich Lehre im Studiengang und arbeiten verantwortlich in den Leitungsgremien, z.B. dem Gemeinsamen Ausschuss mit der HAW, dem Prüfungsausschuss oder dem Curriculumskomitee iMID mit.

Wie sind die ersten Rückmeldungen der Studentinnen (oder sind auch Studenten dabei)?

Wir freuen uns sehr über die positive Evaluationen des ersten UKE Moduls M1 – trotz der Einschränkungen durch Corona, die dazu führten, dass der überwiegende Teil des Unterrichts webbasiert erfolgen musste. In M1 wurden besonders das Skills-Lab (MediTreFF), der anschauliche Unterricht im Präparationssaal der Anatomie, die integrierte inhaltliche Vermittlung von den Grundlagenfächern Biochemie, Physiologie und Prävention sowie der Einblick in die verschiedenen Berufsfelder durch Hebammen positiv bewertet. Eine Herausforderung besteht beim Zusammenwachsen der Hochschulen und der Koordination der verschiedenen Lehrstätten. Für das kommende Wintersemester gab es 570 Bewerbungen auf 60 Studienplätze!

Welche konkreten Aufgaben und Funktionen sind für Absolventinnen des neuen Ausbildungsgangs geplant?

Über die bisher bereits etablierten Tätigkeitsfelder der Hebammen in Kreißsaal: außerklinische Geburtshilfe, Vorsorge, Betreuung der jungen Familie in der gesamten Zeit rund um die Schwangerschaft, die Geburt und das erste Lebensjahr des Kindes. Darüber hinaus wird die Akademisierung noch weitere Berufsfelder eröffnen, unter anderem in der Wissenschaft und Hochschule.

Wird erwartet, dass der neue Ausbildungsgang auch mittel- und langfristig mehr Mitarbeiterinnen für Einrichtungen in der Geburtshilfe motivieren kann?

Perspektivisch wird die Akademisierung die Attraktivität des Berufes verbessern und das Arbeitsfeld und den Berufsstand der Hebamme nach außen sichtbarer machen. Das wird voraussichtlich auch das Interesse an dem Studium steigern und auch positiven Einfluss auf die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung langfristig nehmen.

Gibt es eine besondere Geschichte, die Sie in den ersten Monaten des Studiengangs erlebt haben?

Wir hatten schon viele besondere Momente in diesem Semester und erlebten sehr motivierte und engagierte Studierende. Für interessierte Studienplatzbewerber hielten wir online eine Vorlesung ab und führten webbasierte standartisierte Mini Interviews mit 150 Bewerber:innen. Wir freuen uns schon jetzt auf die neuen Studierenden!

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